Tagebuch-Eintrag
42. Woche: Adiós Alicante
Und dann stand das Ende plötzlich vor der Tür und läutete. Als ich durch den Spion schaute überkam mich die Panik und ich wollte um nichts auf der Welt die Tür aufmachen. Plötzlich fing es an zu klopfen. Es war sogar noch so naiv und probierte mir gut zureden: 'Komm schon! Mach auf! Du wusstest dass ich irgendwann auch bei dir vorbei schauen werde' Als ich jedoch keine Reaktion zeigte, klopfte es immer kräftiger an die Tür. 'Hör' jetzt auf mit dem Blödsinn und mach mir auf'. Ich stemmte mich gegen die Tür und stammelte 'Ahm ... die Wohnung ist gerade nicht aufgeräumt ... kannst du vielleicht später noch mal vorbei schauen?' - aber das Ende war gnadenlos und rammte die Tür ein, mit der ich versuchte es auszusperren.
...noch 3 Tage: Am Vormittag fuhr ich das letzte Mal auf die Universität, weil es noch einige Dinge zu regeln galt: Abholen der Kaution und Aufenthaltsbestätigung sowie mein Bankkonto bei der CAM schließen. Bei der Gelegenheit wurde dann auch das erste (!) Foto von mir und der schreibenden Hand (dem Uni-Symbol) gemacht. Den Nachmittag verbrachten wir wieder am Strand.
...noch 2 Tage: Am Dienstag ließen wir es dann etwas ruhiger angehen, wollten wir doch Kräfte für den letzten Tag und die letzte Nacht sparen. Also verbrachten wir eine ruhigen Nachmittag am Strand. Am Abend gingen Judith und ich zusammen mit Tina und Dani zu den Stierkämpfen. Wir wollten nur noch mal schauen, wie es bei 'Profi-Kämpfen' zugeht. Doch die Unterschiede und unsere Begeisterung hielt sich in Grenzen, weswegen wir in Zukunft wohl keine Corridas mehr anschauen werden. Um Mitternacht ging es dann noch mal zum Strand, weil dort kleinere Sonnwendfeuer entzündet wurden.
...noch 1 Tag: Jetzt kann ich noch einen weiteren Unterschied zwischen Hogueras und Fallas aufzählen: die Figuren in Valencia sind nicht so weit voneinander entfernt. Oder vielleicht ist uns die Distanz wegen der Hitze nur länger vorgekommen? Auf jedenfalls waren wir nach 3 Stunden Hogueras besichtigen so fertig, dass wir es vorzogen ein Eis an der Explanada zu essen. Am Abend gingen wir noch mal aus, weil mit der Verbrennung der Hogueras die Festivitäten ihren Höhepunkt erreichen. Nachdem die offizielle Hoguera am Rathausplatz in Flammen aufgegangen war rannten wir durch die Innenstadt um noch ein paar weitere brennen zu sehen. Anschließend gingen wir dann zur Strandbar um den letzten Abend beim Rauschen der Wellen ausklingen zu lassen.
... 0: Auch in den letzten Stunden konnte ich es nicht lassen, noch Mal zum Strand zu gehen. Am Nachmittag wurden dann die Sachen gepackt sowie, als letzte Ehrenbezeugung, die steirische Flagge in meinem Zimmer eingeholt ... und dann waren die neun Monate in Alicante auch schon wieder vorbei.
Was ich bereits hinter mir gebracht hatte, fing jetzt für Judith an: die letzten Tage in ihrer Studienstadt. Am Freitag unternahmen wir ausgedehnte Spaziergänge durch Barcelona. Durch das Eixample und Gracia bis hin zum Fuße des Tibidabo. Leider kamen wir dann nicht mehr weiter, weil der 'funicular' (Zahnradbahn) die unregelmäßigsten Dienstzeiten hat, die ich je gesehen habe.
Am Samstag machten wir einen Ausflug nach Figueres, der Geburtsstadt von Salvador Dalí. Hier hat der surrealistische Maler das ausgebrannte Theater zu seinem persönlichen Museum umgewandelt. Ich glaube nach keinem Museumsbesuch waren wir so ratlos wie nach diesem. Das mag aber auch daran gelegen sein, dass es keinen Audioguide gab, der die Werke erklärte und wir deshalb nicht wussten, auf was wir achten sollten bzw. was sie bedeuteten (@Christian: Da hätten wir dich als alten Dalí Kenner gebraucht). Um ein wenig auf andere Gedanken zu kommen, gingen Emily (ein Mitbewohnerin von Judith), Judith und ich zu ein paar Vorstellungen des Magic Fountain am Fuße des Montjuïc, die im Sommer auch mit Licht untermalt werden.
Sonntag war dann ganz den Bergen gewidmet. Zuerst fuhren wir in das Montserrat-Massiv, welches zu den ungewöhnlichsten Erscheinungen Kataloniens zählt. Nachdem wir mit dem 'funicular' bis zum Kloster fuhren, erklommen wir den 'Sant Jeroni', der mit 1.236 m die höchste Erhebung ist. Nach unserer Rückkehr in Barcelona starteten wir einen zweiten Versuch auf den Tibidabo zu kommen, der uns diesmal gelang. Von hier oben genießt man eine wunderbare Aussicht auf Barcelona und kann in einem der ältesten Vergnügungsparks Spaniens abschalten - in Judihts Fall mit Zuckerwatte.
Zu den Fotos: (1) Das letzte Mal auf der Universidad de Alicante (2) Mein Abschiedsabend in Alicante mit Judith und Mareen in einer Strandbar in Postiguet (3) Das Dalí Museum in Figueres fällt besonders durch die Eier am Dach auf (4) Das Kloster Montserrat zählt zu den heiligen Stätten der Katalanen.



