Tagebuch-Eintrag
43. Woche: Wir sind dann mal weg - aber auf 4 Rädern
Hape Kerkeling hat den Jakobsweg zwar zu Fuß gemeistert, aber er hatte ja auch bedeutend mehr Zeit. Uns standen lediglich 10 Tage zur Verfügung, weswegen wir zur Bewältigung der gut 1.000 Kilometer auf die Hilfe eines fahrbaren Untersatzes zurückgreifen mussten.
Unser Jakobsweg startet jedoch von Barcelona aus, wo Judith am Montag ihren letzten Tag verbrachte. Am Vormittag regelte sie noch ihre Uniangelegenheiten und am Nachmittag fuhren wir in den Stadtteil 'Horta', wo sich ein großes Heckenlabyrinth befindet. Es war für mich bereits das zweite Labyrinth in Lebensgröße, jedoch gefiel mir dieses mehr als das erste (im Garten des Palastes in Sevilla), da die Gänge breiter waren. Am Abend gingen Emily, Judith und ich zu einem Abschiedsessen ins 'La Fonda'. Judith hatte nicht zu viel versprochen, denn die Paella für 3 Personen war kaum zu bewältigen. Auch Judith entschied sich dann den letzten Abend gemütlich in einer Strandbar ausklingen zu lassen.
Am Dienstag nahmen wir Abschied von Barcelona und verließen die Mittelmeermetropole für unsere letzte Reise durch den Norden Spaniens. Bis Donostia/San Sebastian, dem Tagesziel, war es eine ganz schöne Strecke (500 km) weswegen wir in Huesca zum Mittagessen einen kurzen Zwischenstopp einlegten. Am Abend kamen wir in Donostia/San Sebastian an und lernten hautnah, wie schwierig es sein kann, hier einen günstigen Parkplatz zu finden. Nach 1 Stunde vergeblichen Suchens, gaben wir entnervt auf und stellten das Auto ins Parkhaus.
Zum Glück hatten wir den Sonnenuntergang bereits am Vortag fotografiert, denn am Mittwoch Abend war uns der Wettergott nicht mehr hold. Dabei hatte alles so schön angefangen: Während unserer Erkundungstouren durch die Stadt und auf den Urgell (einer der Hausberge von Donostia/San Sebastian) begleitete uns ständig Sonnenschein. Als am Nachmittag dann Wolken aufzogen, verlegten wir das Sigthseeing von den Monumenten in die Geschäfte. Am 1. Juli beginnen nämlich in Spanien traditionell die Rebajas (Schlussverkauf).
Donnerstags setzte sich unsere Reise durch das Baskenland fort. Von Donstia/San Sebastian ging es die Costa Vasca (Baskische Küste) entlang nach Bilbo/Bilbao. Noch vor 30 Jahren waren Bilbo/Bilbao eine schmutzige und graue Industriestadt. Doch der Niedergang der ansässigen Industrie wurde als Chance genutzt, die Aktivitäten auf andere Bereiche zu verlegen. So wurde aus der Stadt ein Zentrum für Kunst und Kultur, wo sich Grünflächen und futuristisch anmutende Gebäude abwechseln. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch die Eröffnung des Guggenheim Museums für zeitgenössische Kunst, weswegen diese Entwicklung auch 'Guggenheim-Effekt' genannt wird.
Auch wenn mit dem Auto zu reisen, manche Nachteile mit sich bringt (Parkplatz suchen, Parkplatzgebühren, Risiko eines Unfalls, etc.) so bringt es aber auch einen mächtigen Vorteil mit sich: man erreicht Orte, die mit dem Zug zu erreichen nicht möglich ist. Zuerst wollten wir ja die Höhlenmalereien von Altamira anschauen. Da die Originalhöhlen aber nicht besichtigt werden können, sondern nur Fotografien der Malereien, entschlossen wir uns für etwas Authentischeres: Die Wiege Spaniens in Covadonga. Von diesem Ort in den Picos de Europa startete 722 die Reconquista der iberischen Halbinsel.
Oviedo ist nicht nur die Hauptstadt der Provinz Asturien, sondern auch die Hauptstadt des Sidra. Wie uns ein Kellner dort erklärte, ist dieser Apfelwein eigentlich ein Schaumwein ohne Schaum. Um Schaum zu erzeugen muss der Wein in hohem Bogen ins Glas geschüttet werden und anschließend schnell getrunken werden, bevor das Getränk zu schäumen aufhört. Dabei geht natürlich eine Menge Flüssigkeit daneben (beim Einschenken jetzt ? nicht beim Trinken), weswegen die Straßen der Sidrerias immer nach vergorenen Äpfeln riechen.
Wenn bei der Reise durch den Norden eine Stadt überzeugt hat, dann war das León. Es hat einfach alles funktioniert: Wir sind problemlos in die Stadt gekommen, gleich hinter der Kathedrale fanden wir einen großen gratis Touristenparkplatz und unser Quartier befand sich direkt am Kathedralplatz. (leider nur mit Sicht in den Hof). Aber abgesehen von solchen Erfolgserlebnissen, ist der Altstadtkern einfach nur bezaubernd. Gleich wie in Oviedo ist die Altstadt reine Fußgängerzone weswegen die Stadt eine herrliche Ruhe ausstrahlt. Dass an diesem Tag auch das Wetter noch mitspielte war nur das Tüpfelchen auf dem i.
Zu den Fotos: (1) Nach Santiago, hier entlang! (2) Die '3 Engel für Barcelona' (Emily, Judith und Mareen) vor der Strandbar der 'Princesa 23' (3) Das Guggeneheim Museum in Bilbao gehört zu den interessantesten Bauwerken Spaniens. (4) In Oviedo gönnten wir uns einen Teller mit den typischen Käsesorten Asturiens.



